Notfälle

 

Diabetische Notfallsituationen, die ein sofortiges Handeln notwendig machen, sind:

Diabetische Ketoazidose (DKA)

Eine diabetische Ketoazidose kann sich bei länger bestehendem, nicht diagnostiziertem Diabetes mellitus, einer  unzureichenden Insulindosis bei behandelten Diabetikern oder eingeschränkter Insulinwirkung und/oder Insulinresistenz, aufgrund von Übergewicht, Begleiterkrankungen oder Medikamenten ausbilden.

Aufgrund des Insulinmangels kann Glukose nicht als Energiequelle genutzt werden. Zur Energiegewinnung werden Fette durch Lipolyse gespalten. Dabei werden hohe Konzentrationen von Ketonkörpern gebildet. Es kommt zur Entstehung einer Ketose und einer Azidose, die mit einem Elektrolytungleichgewicht einhergehen. Klinische Symptome einer diabetischen Ketoazidose sind Appetitverlust,  Übelkeit und Lethargie. Das Tier leidet an einer systemischen Erkrankung. Im Urin sind Ketonkörper nachweisbar.

Da es sich um einen lebensbedrohenden Zustand handelt, muss das Tier umgehend behandelt werden. Es muss eine Korrektur der Flüssigkeitsdefizite mit beispielsweise 0,9%-iger Kochsalzlösung, des Säure-Basen-Gleichgewichts und des Elektrolytgleichgewichts durchgeführt werden. Wenn möglich, sollten die Elektrolytkonzentrationen und das Säure-Basen-Gleichgewicht gemessen und korrigiert werden.

Zudem muss zur Verringerung der Konzentrationen von Glukose und Ketonen im Blut schnellwirksames Insulin intravenös verabreicht werden.

Wenn der Blutzuckerspiegel gesenkt und mindestens 4-10 Stunden lang zwischen 11 und 14 mmol/L (198 und 252 mg/dl) gehalten wird, kann mit der Insulintherapie unter Verwendung von subkutan zu applizierendem Insulin begonnen werden.

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Hyperglykämisches hyperosmolares Syndrom (HHS)

Das hyperglykämische hyperosmolare Syndrom (HHS) bzw. hyperosmolare nicht-ketogene Syndrom (HHS) ist eine seltene Komplikation beim unbehandelten Diabetes mellitus. Es ist ein Notfall und mit einer sehr zurückhaltenden Prognose verbunden.

HHS ist gekennzeichnet durch ausgeprägte Hyperglykämie (z. B. > 36 mmol/l oder  > 650 mg/dl) und Osmolalität (>380 mOsm/l). Bei derartig hohen Blutglukosekonzentrationen wird Wasser durch Osmose aus den Hirnzellen verlagert, wodurch ein Koma verursacht wird.

Vor der Entstehung von HHS sind zunächst die typischen klinischen Diabetes-Symptome Polyurie, Polydipsie und Polyphagie zu beobachten. Die Tiere werden immer schwächer, anorektisch und lethargisch und trinken weniger.

Bei der körperlichen Untersuchung fallen häufig eine ausgeprägte Dehydratation, Lethargie und eine schwere Depression oder gar Koma auf. Die Glukosekonzentrationen im Plasma sind größer 36 mmol/l). Die Labordiagnostik auf Ketoazidose fällt negativ aus. 

Ziel der Behandlung ist die Korrektur des hyperglykämischen hyperosmolaren Zustands. Dies wird durch aggressive intravenöse Flüssigkeitstherapie und Verringerung der Blutzuckerkonzentration erreicht.

Während der ersten 4-6 Stunden ist die Flüssigkeitstherapie entscheidend. Mit der Insulintherapie kann so lange gewartet werden, bis sich der Zustand des Tiers verbessert hat. Allerdings ist die Prognose für eine vollständige Erholung extrem zurückhaltend. Sogar bei angemessener Behandlung sterben viele Tiere innerhalb der ersten 24 Stunden. Die langfristige Überlebensrate liegt bei etwa 12%.

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