Grunderkrankungen

Es können aber auch andere Grunderkrankungen die Ursache für einen Diabetes mellitus sein. In diesem Fall spricht man von einem sekundären Diabetes mellitus oder einem Typ-III-Diabetes. Häufig klingt ein sekundärer Diabetes mellitus wieder ab, sofern die verursachende Erkrankung frühzeitig behandelt wird. Entscheidend sind der sekretorische Zustand der Beta-Zellen und ihre Möglichkeit der Erholung.

Bei der Katze kommen folgende verursachende Grunderkrankungen in Frage:

Bei Katzen kann es außerdem durch Stress zu einem temporär erhöhten Blutzuckerspiegel, einer sogenannten Stresshyperglykämie kommen.

Hyperthyreose

Die Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose), die mit einer erhöhten Synthese der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin (T3) und Thyroxin (T4)  einhergeht, ist eine häufige bei Katzen auftretende endokrine Störung. Ebenso wie der Diabetes mellitus kommt auch die Hyperthyreose häufig bei Katzen mittleren und höheren Alters vor. Beide Erkrankungen treten auch häufig gleichzeitig auf.

Einige der typischen klinischen Symptome der Hyperthyreose ähneln denen des Diabetes mellitus. So leiden auch hyperthyreote Katzen häufig an unstillbarem Hunger trotz fortschreitendem Gewichtsverlust, vermehrtem Durst, häufigerem Harnabsatz und Durchfall. Zudem sind die Tiere aber häufiger hyperaktiv und zeigen zudem teilweise aggressive Verhaltensänderungen. Als Folge der erhöhten Konzentrationen an Schilddrüsenhormonen können Herzrasen, Herzgeräusche, Arrhythmien, Bluthochdruck und Atemprobleme auftreten.

Die Diagnose erfolgt über (wiederholte) Messungen der T4-Konzentrationen im Labor. Bei einigen Katzen muss die Diagnose eventuell durch

  1. eine spätere Messung von Gesamt-T4 nach drei oder mehr Wochen
  2. Messung von freiem T4 (durch Gleichgewichtsdialyse)
  3. einen T3-Suppressionstest

bestätigt werden.

Die Behandlung von Katzen mit Hyperthyreose kann medikamentös oral erfolgen , durch radioaktive Strahlung oder operativ.

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Pankreasentzündung (Pankreatitis)

Bei einer Entzündung (Pankreatitis) des Pankreas kommt es zu einem Übertritt von den im exokrinen Pankreas gebildeten Verdauungsenzyme in das umliegende Pankreasgewebe, das dadurch geschädigt werden kann. Eine akute Pankreatitis kann so zu einem temporären Diabetes mellitus führen. Dieser kann bei extensiver Gewebeschädigung des endokrinen Teils des Pankreas auch zu einem manifesten Diabetes mellitus führen. Ähnliches gilt bei Vorliegen einer Pankreasneoplasie.

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Hyperadrenokortizismus

Ein Hyperadrenokortizismus  oder auch Cushing-Syndrom ist eine bei Katzen selten auftretende Erkrankung, die durch eine übermäßige Kortisol-Synthese in der Nebennierenrinde gekennzeichnet ist. Ursache ist in der Mehrzahl der Fälle ein Tumor in der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse), der durch das Hormon ACTH die Nebenniere ständig zur Synthese und Ausschüttung von Kortisol anregt.

Typische Krankheitssymptome bei der Katze sind vermehrter Durst, Harnabsatz und Hunger, ein Hängebauch, struppiges Haarkleid, sehr dünne Haut („fragiles Hautsyndrom“), generalisierte Muskelatrophie und gelegentlich  ein fleckiger Haarausfall.

Polyurie und Polydipsie sindmeist bedingt durch die Glukokortikoid-induzierte Hyperglykämie mit nachfolgender Glukosurie und osmotischer Diurese. Darüber hinaus ist der diabetogene Effekt des Kortisol bei der Katze deutlich ausgeprägter als beim Hund und wirkt stärker insulinresistent. Der Cushing-Verdacht wird durch einen Labortest (TH-Stimulations-Test, LDDS-Test, Urin-Kortisol-Kreatinin-Quotienten) abgeklärt.

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