Typ II - Diabetes

Bei der Katze überwiegt wie beim Menschen mit 80-95% der Typ-II-Diabetes, der insulinunabhängig ist. Das bedeutet, die Insulinsynthese ist zunächst nicht wie beim Hund beeinträchtigt, sondern das Problem ist eine verringerte Sensibilität der Zielzellen für Insulin. Man spricht hier auch von einer Insulinresistenz. Der Typ-II-Diabetes ist gekennzeichnet durch:

  • Verringerte periphere Glukoseaufnahme in Muskulatur, Fettgewebe und Leber
  • Gesteigerte Glukoneogenese in der Leber
  • Abnehmende Insulinsekretion durch den voranschreitenden Untergang der Betazellen

Die Insulinresistenz wird durch einen noch ungeklärten genetischen Rezeptordefekt beim intrazellulären Glukosetransport verursacht. Für die Aufnahme von Glukose in die Zelle ist dann ein steigender Bedarf an Insulin notwendig. Anfänglich kann der steigende Bedarf durch eine vermehrte Synthese von Insulin in den Beta-Zellen noch kompensiert werden, mittelfristig nicht. Die Folge ist eine verminderte Glukoseaufnahme in die Zellen und ein steigender Blutglukosespiegel sowie mittelfristig bedingt durch eine Erschöpfung der Beta-Zellen ein absoluter Insulinmangel. Für einen manifesten Diabetes müssen etwa 80% der Beta-Zellen zerstört bzw. untergegangen sein.

Die Insulinsensitivität eines Organismus ist genetisch festgelegt. Sie kann durch das Geschlecht, durch Hormone wie etwa Progesteron oder auch Glukokortikoide und andere diabetogeneMedikamente negativ beeinflusst werden. Weitere Faktoren sind Bewegungsmangel und Übergewicht. So hat eine Untersuchung bei gesunden Katzen gezeigt, dass bei einer Gewichtszunahme um 44% die Insulinsensitivität um 50% ab- und das Diabetesrisiko entsprechend zunahm (Hoenig et al. 2002).

Übergewicht

Übergewicht verringert die Sensitivität der Zielzellrezeptoren gegenüber Insulin. Hierdurch steigt der Insulinbedarf und es kommt zu einem erhöhten  Blutzuckerspiegel bei gleichzeitig erhöhter Insulinkonzentration im Plasma. Dies kann zur Erschöpfung der Insulin produzierenden Beta-Zellen und in der Folge zu Diabetes mellitus führen.

Überproduktion von entgegenwirkenden Hormonen und Insulinresistenz

Progesteron: Durch die medikamentelle Gabe von Gestagenen, z. B. zur  Behandlung von Hauterkrankungen oder zur Unterdrückung der Rolligkeit, kann Diabetes mellitus verursacht werden.

Wachstumshormone: Verursacht wird die übermäßige Produktion von Wachstumshormon bei der Katze in der Regel durch einen Hypophysentumor. Dadurch kommt es zum Krankheitsbild der Akromegalie. Dies ist durch ein gesteigertes Wachstum von Knochen und Weichteilgeweben, insbesondere des Zahnfleisches gekennzeichnet. Typisch ist die Ausbildung einer Prognathia inferior auf, die zu einer Vergrößerung des Abstandes zwischen den Reißzähnen (Canini) im Oberkiefer und Unterkiefer führt. Gleichzeitig ist damit eine allgemeine Verbreiterung der Gesichtszüge verbunden. Im Ultraschall fällt eine Organomegalie auf und die Besitzer berichten oft über Stridorgeräusche bei der Atmung ihrer Katze.

Zudem leiden die meisten Tiere auch an einem insulinresistenten Diabetes mellitus und sie weisen einen massiv erhöhten insulin-like growth factor-1 (IGF-1, Somatomedin C) auf.

Als erfolgversprechendste Behandlung für eine Katze mit einem Hypophysentumor wird derzeit die Strahlentherapie beschrieben.